Acht Tage, sieben Städte und ganz viel Me(e)(h)r

Von Honza Klein


Venedig liegt ein wenig im Herbstnebel. Irgendwo da unten. Ungefähr so muss sich dereinst wohl Gulliver gefühlt haben. Der Markusplatz wirkt wie ein Schachbrett, die Touristen wie die Figuren darauf, der Dogenpalast erscheint wie auf eine Modellbahnplatte gestellt. Klein ziehen die Häuser und Paläste vorbei. Oder nein. Ich ziehe vorbei. Vom dem Deck der 18. Etage der MSC Divina schweift mein Blick über La Serenissima. Die Göttliche verabschiedet sich von der heiter gelassenen am oberen Ende der Adria. Bis in sieben Tagen...

 

Schon oft habe ich bei Besuchen in Venedig die riesigen Kreutzfahrtschiffe bewundert. Ein wenig ungläubig zugeschaut wie sich die Stahlgiganten durch die Lagune schoben. Jetzt bin ich selbst auf einer. 2012 wurde die Divina getauft. Sophia Loren übernahm, wie bei allen Schiffen der MSC-Flotte, die Patenschaft. Göttlich mit mediterranem Temperament. Doch die Filmdiva hinterließ mehr als nur eine zerborstene Flasche Champagner. In der Bibliothek des Yachtclub, der sich mit extra Check-In am vorderen oberen Teil des Schiffes befindet (dazu später noch mehr) hinterließ Sie eine Sammlung ihrer 20 Lieblingsromane. Honoré de Balzac und andere Klassiker der Weltliteratur. Leider sind diese Bücher nicht auch im deutschsprachigen Regal vertreten. Dort kam ich übrigens ins grübeln über das Volk der Dichter und Denker. Neben Friedrich Nietzsche stand direkt ein Daniela Katzenberger. Doch das nur am Rande. Außer ihrer Buchauswahl kann man den Geist der Loren auch in Suite 16007 spüren. Diese wurde speziell für und mit ihr eingerichtet. Rote Teppiche und an den Wänden Schwarz-Weiß-Fotografien ihrer größten Rollen. Frau kann sich in der Kabine am Nachbau des Schminktisches von Sophia Loren dann auch ein wenig wie ein Filmstar fühlen. Meine Kabine liebt ein paar Türen weiter: 1615. Nun ja Kabine. Hier auf den Yachtclubetagen erinnern die Kabinen eher an Hotelzimmer eines Fünf-Sterne-Hotels. Von Balkon aus sehe ich nun die letzen Ausläufer der Lagunenstadt. Hinaus geht es in die dunkle adriatische Nacht. Morgen früh werden wir in Bari anlegen. Zeit um sich auf dem Schiff umzuschauen.

Zunächst ist es auf einem Kreuzfahrtschiff immer etwas schwierig  die Orientierung zu behalten. Immerhin 1751 Kabinen sind durch etliche Gänge miteinander verbunden. Wie in Italien üblich gibt es keine Nummer 17. Dies ist hier die zahl für den Aberglauben. Dafür ist die 13 vorhanden. 20 Bars, sieben Restaurants, vier Pools, eine Bowlingbahn, Cigar-Room, Spa, ein Theater mit 1602 Plätzen, Kinderspielbereich, Casino, 4D-Kino verteilen sich auf 30.000 Quadratmeter. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist nach Fifa-Norm 7.140 Quadratmeter groß 105x68 Meter). Damit ist die Divina ziemlich genau drei Mal so lang (333 Meter) und etwas mehr als halb so breit (38 Meter) wie ein Fußballfeld. Übrigens: ein kleines Fußballfeld gibt es an Bord natürlich auch und das schon bei den ersten Kreuzfahrten zum Ende des 19.  Jahrhunderts gespielte Shuffle-Board ist ebenfalls noch aktuell. Ein Kreuzfahrtschiff ist eine Welt für sich. Schwimmendes Hotel dass seine Stadtwerke und alles was eine Kleinstadt eben benötigt dabei hat. „Genau das ist der Unterschied zu einem normalen Hotel“, erzählt Hotel-Manager Raffaele Cinque. „Wenn Du irgendwo auf dem Meer bist muss alles genau so klappen wie in einem Hotel an Land. Nur dass man eben mal nicht so schnell etwas nachbestellen kann, wenn beispielsweise ein bestimmter Wein fehlt.“ Dazu käme dass wohl kaum ein Hotelmanager so viele Gäste zu betreuen hat wie Cinque. Von großen Themenhotels in Las Vegas oder sonst wo mal abgesehen. 4.345 Gäste kann Cinque maximal begrüßen. „In der Saison sind es hauptsächlich Italiener, ansonsten kommen vor allem Deutsche.“ So ist es kein Wunder dass man überall auf dem Schiff auch deutschsprachig gut bedient wird. Wenngleich die Mitarbeiter von Cinque 75 Nationalitäten vertreten: Samoa, Alaska, Ukraine, Indonesien, Deutschland, Madagaskar... Vielleicht ist so ein Kreuzfahrtschiff ja der beste Beweis des möglichen, friedlichen Zusammenlebens aller Völker. Auch unter den Gästen. „Im Sommer hatten wir Passagiere aus 71 Ländern an Bord“, erzählt der Hotelchef. Dazu kommt, dass er eine große Bandbreite an Hotels hat. Von der Innenkabine, die man vielleicht mit einem guten Drei-Sterne-Hotel vergleichen kann, über Außenkabinen, bis zum Fünf-Sterne-Plus-Angebot des Yacht Clubs. Und dies auf der MSC Divina auf einem Schiff, dass man vielleicht als eine Mischung aus Clubschiff und klassischem Kreuzfahrer definieren kann. Selbst bei voller Belegung hat man kaum das Gefühl irgendwo eine Art von Massentourismus zu erleben. Die etliche Bars, Restaurants und sonstigen Angebote sorgen für eine gute Verteilung der Gäste. Lediglich bei den angebotenen Landausflügen, wenn dann fast alle Gäste an Land strömen fällt einem die Masse Mensch auf, die da übers Meer schippert. In diesem Fall waren es Bari, Katakolon (Olympia), Izmir, Istanbul, Dubrovnik und wieder Venedig. Eine grandiose Art in wenigen Tagen viele unterschiedlich Städte und ihre Kulturen zu sehen. Am Abend und in der Nacht genießt man die Annehmlichkeiten an Bord, tagsüber die Städte. Und dies zu durchaus erschwinglichen Preisen. So beginnt die Skala bei etwa 700 Euro und geht bis 4000 Euro im Yacht-Club. Wobei man wie gesagt auch in der günstigsten Variante ein paar grandiose Tage verbringen kann. Auch hier ist das Essen schon inklusive. Es gibt jedoch noch etliche Restaurants die man frei wählen kann. Etwa Tex-Mex mit Burgern und Steak, wo man ein Menü für etwa acht Euro bekommt oder auch ein italienisches Restaurant mit großartiger im offenen Feuer gebackener Pizza schon für 3,50 Euro. Cocktails kosten 6,25 Euro, ein Bier 4,50 Euro, der Espresso ist für 1,30 Euro zu haben und ein Becher Eis schlägt an der Poolbar mit 3,90 bis 5,30 Euro zu Buche. Indes – wenn schon, denn schon! All die genannten Preise sind für den Gast des Yacht Clubs obsolet.

 

Mit der Extra-Karte gelangt man am Bug des Schiffes in eine eigene Welt. Eine Poollandschaft mit Bar von der aus man das gesamte Schiff überblicken kann, die bereits erwähnten exklusiven Kabinen, einen eigenen Club, mit Raucherlounge, wo man den ganzen Tag nur seine Wünsche zu äußern braucht und das eigene Restaurant. Umsorgt von 19 Butlern fühlt man sich an den Werbespruch der Hotelgruppe Ritz Carlton erinnert: A Home away from Home. „Freundlich aber nicht familiär“, definiert Chefbutler Vishesh Bundhoo seinen Job. Auch als er einmal beim Zimmerservice das Frühstück servieren musste. „Die Dame lag nackt auf dem Bett.“ Er servierte als sei nichts. Acht Tage und sieben Städte lang dauert die Fahrt durchs Mittelmeer. Wie im Flug – oder nein in diesem Fall wie im Fluss – verging die Zeit. Historische Städten (Olympia) wurden besichtigt, Städte und Küsten. Die Flut der Eindrücke klingt sicherlich noch lange nach.

Für mich als Berliner, der eigentlich nur für den Wannsee oder den Müggelsee geeignet ist war das Überraschendste: Man hatte nie das Gefühl auf einem schwankenden Kreuzfahrtriesen zu sein. Selbst bei etwas rauerer See südlich von Italien. Mit Blick auf das im Schein des Mondes schimmernde Meer glitt die Divina Nacht für Nacht dahin und es war nicht anders als in jedem Hotel der Welt zu Bett zu gehen. Nur vielleicht etwas romantischer...

 

www.msc-kreuzfahrten.de

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